Von Viktoria bis Grün-Weiß – Unsere Geschichte. Unsere Heimat. Unser Verein.
Über 100 Jahre Fußball in Annaburg – von Viktoria bis Grün-Weiß
Die Geschichte des SV Grün Weiß Annaburg e.V. ist eng mit der Geschichte unserer Stadt verbunden. Was vor mehr als 100 Jahren mit einer kleinen Fußballgemeinschaft begann, entwickelte sich über mehrere Generationen hinweg zu einer vielseitigen Sportgemeinschaft, die bis heute Menschen in Annaburg und Umgebung zusammenbringt.
Die Anfänge – „Victoria Annaburg“ (1911)
Die Anfänge des Annaburger Fußballs reichen bis in das Jahr 1911 zurück. Im Sommer dieses Jahres gründete sich in Annaburg zunächst ein nicht eingetragener, sogenannter „wilder“ Sportverein. Die junge Gemeinschaft gab sich den Namen „Viktoria Annaburg“.
Bereits am 15. Oktober 1911 ist die Annaburger Mannschaft in einem Spiel gegen Jessen nachweisbar. Damit gehörte Annaburg schon früh zum regionalen Fußballgeschehen.
Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Wie bei vielen Vereinen der damaligen Zeit kam der regelmäßige Spielbetrieb während der Kriegsjahre weitgehend zum Erliegen.
Neugründung – „FC Annaburg“ ab 1919
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Fußball in Annaburg neu organisiert. Am 5. Oktober 1919 erfolgte die Neugründung als FC Annaburg. Bereits kurz darauf berichten die Annaburger Zeitungen wieder über Spiele des neuen Vereins.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der FC Annaburg zu einem sportlich beachtlichen Verein. Besonders erfolgreich waren die Jahre Mitte der 1920er Jahre.
Mit der Neuordnung der Spielklassen zur Saison 1923/24 gehörte der FC Annaburg der Gauliga Elbe/Elster, Staffel Elbe an. Die „Gau-Ligen“ bildeten damals die höchste regionale Spielklasse des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine.
Annaburg traf dort unter anderem auf den SV Vorwärts Falkenberg, den BC Dommitzsch, den FC Hartenfels Torgau, den VfB Herzberg und die Sportfreunde Torgau. In der Saison 1923/24 belegte der FC Annaburg den 5. Platz und lag damit sogar vor dem Nachbarverein aus Jessen.
Auch 1924/25 spielte der FC Annaburg weiterhin auf dieser Ebene und erreichte den 4. Platz. Damit gehörte die Mannschaft über mehrere Jahre zur Spitze des regionalen Fußballs.
Neben den Punktspielen wurden auch überregionale Begegnungen ausgetragen. So trat die Annaburger Mannschaft unter anderem gegen Fortuna Mückenberg, Viktoria Zerbst 03 und Guts Muts Leipzig an. Ein erhalten gebliebener Zeitungsbericht kündigte beispielsweise Spiele gegen den damaligen Meister des Elbe-Elster-Gaus sowie gegen Viktoria Zerbst an.
Die Saison 1925/26 verlief für den FC Annaburg deutlich schwieriger. Die Mannschaft belegte in ihrer Staffel den letzten Platz und musste anschließend in einem Relegationsspiel gegen den SV 1908 Bockwitz um den Verbleib in der Spielklasse kämpfen. Annaburg unterlag mit 1:2 und musste die höchste regionale Spielklasse verlassen.
Trotz dieses Abstiegs gehören die Jahre 1923 bis 1926 zu den erfolgreichsten Abschnitten der frühen Annaburger Fußballgeschichte. Der FC Annaburg hatte sich zeitweise auf der höchsten regionalen Ebene des mitteldeutschen Fußballs behauptet.
Der Fußballbetrieb beschränkte sich bereits damals nicht nur auf die erste Mannschaft. Für 1928 ist eine 1. Jugendmannschaft des FC Annaburg nachgewiesen. Sie trat unter anderem gegen die Jugend des FC Prettin an.
Auch die erste Mannschaft blieb im regionalen Spielbetrieb aktiv. Nach der Neuordnung der Spielklassen wurde der FC Annaburg der 2a-Klasse zugeteilt. Zu den Gegnern gehörten unter anderem Mannschaften aus Torgau, Dommitzsch, Jessen und Prettin.
Auch Anfang der 1930er Jahre bestand der FC Annaburg weiter. Für das Spieljahr 1931/32 ist beispielsweise ein Verbandsspiel zwischen Allemannia Jessen und dem FC Annaburg überliefert, das Jessen mit 3:2 gewann.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch das Vereins- und Sportwesen grundlegend umorganisiert. Die bisherigen Verbands- und Vereinsstrukturen wurden aufgelöst bzw. in die neuen staatlich gelenkten Sportstrukturen überführt.
Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg – BSG Chemie Annaburg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auch in Annaburg der Wiederaufbau des gesellschaftlichen und sportlichen Lebens unter völlig neuen Bedingungen.
Gleichzeitig entstanden in Annaburg neue wirtschaftliche Strukturen, die später für den Sport von großer Bedeutung werden sollten. Der Sport wurde überwiegend in sogenannten Betriebssportgemeinschaften (BSG) organisiert. Am 18. Oktober 1950 entstand so die „BSG Chemie Annaburg“.
Das Annaburger Steingutwerk wurde bereits 1945 wieder aufgebaut. 1946 arbeiteten dort rund 150 Menschen, 1947 wurde der Betrieb zum VEB (L) Steingutwerk und nach der Inbetriebnahme des Tunnelofens wuchs die Belegschaft 1948 auf rund 350 Beschäftigte an.
Auch die Annaburger Maschinenfabrik wurde bereits am 1. August 1945 neu gegründet. Aus zunächst 20 Beschäftigten entwickelte sich bis Oktober desselben Jahres ein Betrieb mit rund 80 Mitarbeitern. Diese beiden Betriebe wurden wenige Jahre später zu den Trägern des Annaburger Betriebssports.
Ebenfalls eine wichtige Rolle spielte das Sintolanwerk, das den Annaburger Fußball über viele Jahre als Hauptsponsor unterstützte.
Die 1950er- und 1960er-Jahre waren eine prägende Zeit. Die Nachwuchsarbeit wurde aufgebaut und zahlreiche Spieler entwickelten sich in den Annaburger Mannschaften weiter.
Einen besonderen Höhepunkt erreichte der Annaburger Fußball Anfang der 1960er-Jahre. Die BSG Chemie Annaburg schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga Cottbus. In der Saison 1963/64 spielte die Mannschaft damit auf einer für einen kleinen Verein beachtlichen Ebene. Die Bezirksliga war damals eine wichtige überregionale Spielklasse innerhalb des DDR-Fußballs. Nach der Saison musste Chemie Annaburg zunächst wieder absteigen.
Doch die Mannschaft kam zurück. Bereits 1965/66 gelang erneut der Aufstieg in die Bezirksliga Cottbus. Damit hatte sich Chemie Annaburg über mehrere Jahre im höherklassigen DDR-Fußball etabliert. Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb der Verein sportlich aktiv.
Besonders in den 1980er-Jahren konnte Chemie Annaburg beachtliche Akzente setzen. In Erinnerung bleibt das Jahr 1982. Die Mannschaft erreichte das Finale des FDGB-Bezirkspokals Cottbus. Im Endspiel traf Chemie Annaburg auf die BSG Turbine Spremberg. Nach einem 3:3 nach Verlängerung musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Dort unterlag Annaburg knapp mit 3:4.
Der Einzug in das Bezirkspokalfinale gehört damit zweifellos zu den größten sportlichen Erfolgen der Annaburger Fußballgeschichte. Auch in den folgenden Jahren blieb Chemie Annaburg in den oberen Spielklassen des Bezirkes vertreten.
1985/86 gelang Chemie Annaburg schließlich erneut der Aufstieg. Die Mannschaft wurde mit 42 Punkten aus 26 Spielen und einem Torverhältnis von 52:20 Staffelsieger der Bezirksklasse Cottbus.
Auch in der Saison 1986/87 spielte Chemie Annaburg wieder in der Bezirksliga Cottbus. Ein Beispiel für die damalige Bedeutung des Vereins ist das Auftaktspiel gegen die ISG Großräschen, das vor 600 Zuschauern im Annaburger Waldstadion stattfand.
Mit der politischen und gesellschaftlichen Wende änderte sich auch die Organisation des Sports grundlegend. Die Zeit der Betriebssportgemeinschaften ging zu Ende.
Die Wende - von der BSG Chemie zum SV Grün Weiß Annaburg
Die politische Wende von 1989/90 brachte auch für den Annaburger Sport tiefgreifende Veränderungen. Die bisherige BSG Chemie Annaburg war eng mit ihrem Trägerbetrieb, dem Sintolanwerk, verbunden. Mit dem Ende des DDR-Betriebssports und den wirtschaftlichen Veränderungen nach der Wende entfiel diese traditionelle Organisations- und Förderstruktur.
Am 13. Juni 1990 wurde die BSG Chemie Annaburg in SV Grün-Weiß Annaburg umbenannt. Aus der Betriebssportgemeinschaft wurde damit ein eigenständiger Sportverein, der die lange Annaburger Fußballtradition unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen fortführte.
Damit begann die Geschichte unseres Vereins in seiner heutigen Form. Viele Menschen, die bereits zu Zeiten von Chemie Annaburg aktiv waren, blieben dem Verein verbunden. Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre und Helfer sorgten dafür, dass der Annaburger Fußball auch nach der Wende weiterlebte.
Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die Laufbahn von Horst Krüger („Beppo“), der 1966 zur BSG Chemie Annaburg kam. Er war später Spieler, Trainer, Übungsleiter, Schiedsrichter, Vorstandsmitglied und von 1995 bis 2005 Vereinsvorsitzender. Nach 50 Jahren Mitgliedschaft wurde er 2016 zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Auch nach der Jahrtausendwende blieb der Fußball das Herzstück des Vereins. Der Weg führte dabei durch unterschiedliche Spielklassen und Höhen und Tiefen.
Die Mannschaften konnten immer wieder sportliche Erfolge feiern. Besonders erfolgreich war die Saison 2013/14. Die erste Männermannschaft gewann die Meisterschaft und schaffte den Aufstieg in die Landesliga Süd. Gleichzeitig wurde der Kreispokal gewonnen. In der Saison 2014/15 gelang sogar die erfolgreiche Pokalverteidigung sowie der Gewinn des Supercups.
Ein weiterer Höhepunkt folgte in der Saison 2017/18. Die erste Männermannschaft wurde Meister der Landesklasse 5. Am letzten Spieltag besiegte der SV Grün Weiß Annaburg den Tabellenführer SV Friedersdorf mit 2:0 und sicherte sich damit die Meisterschaft. Anschließend gewann die Mannschaft auch das Kreispokalfinale gegen die SG 1919 Trebitz mit 1:0 und machte damit das Double perfekt.
Die Geschichte des SV Grün Weiß Annaburg ist heute längst nicht mehr ausschließlich eine Fußballgeschichte. Zum 1. September 2011 wurde die Abteilung Gymnastik gegründet. Damit begann eine neue Entwicklung hin zu einem Verein, der Sport und Bewegung für unterschiedliche Altersgruppen und Interessen anbietet. 2018 kam die Leichtathletik hinzu. Auch diese Abteilung entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil des Vereinslebens und bietet insbesondere Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich sportlich zu entwickeln und an Wettkämpfen teilzunehmen.
Im Laufe der weiteren Vereinsentwicklung kamen außerdem Volleyball und Bogensport hinzu. Der Bogensport hat dabei eine eigene Vorgeschichte. Die Annaburger Bogensportgruppe besteht bereits seit 2016 und wurde später als Abteilung in den Verein integriert.
Heute umfasst der Verein die Abteilungen Fußball, Leichtathletik, Volleyball, Gymnastik und Bogensport.
Von Viktoria Annaburg über den FC Annaburg, der BSG Chemie Annaburg bis zum heutigen SV Grün Weiß Annaburg zieht sich eine Geschichte durch mehr als ein Jahrhundert. Menschen kommen zusammen, um Sport zu treiben, gemeinsam Erfolge zu feiern, Niederlagen zu verkraften, Kinder und Jugendliche zu fördern und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen.
Dabei haben sich Namen, Zeiten und Strukturen verändert. Geblieben ist die Leidenschaft für den Sport und die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Verein.
Tradition verbindet – Leidenschaft treibt uns voran.
- SV Grün Weiß Annaburg -






